Freitag, 16. Mai 2008

100 % virtuell - Das Bitfilmfestival 08

Nun müssen wir also nicht einmal mehr das Haus verlassen, um ins Kino zu gehen. Das diesjährige Bitfilm Festival findet nicht nur in Stuttgart und Hamburg sondern auch in der virtuellen Hauptstadt Bitropolis statt, deren „Stadtzentrum“ über ein Kino, eine Galerie, eine Bar und einen Nachtclub verfügt. Während wir in Jogginghose auf dem Sofa lümmeln, stylen wir also unseren Avatar und lassen ihn in rote 3D-Plüschsessel plumpsen. Den Popcorngeruch denken wir uns einfach dazu. Wem selbst das zu viel Aufwand ist, der kann seit dem 1.Mai auf der Website der Bitfilm Networks GmbH die Beiträge zum 5. Digitalen Filmfestival auch ohne Avatar ansehen und bewerten.

Das Festival, das sich ganz den computergenerierten Filmen widmet, begann in den Jahren 2000 bis 2002 als Bestandteil des Internationalen Kurzfilmfestivals in Hamburg und findet seit 2003 jährlich als eigenständige Veranstaltung statt. Digitale Filme sind also über ihr Dasein als Unterkategorie des Kurzfilms hinausgewachsen, und angesichts ihrer Vielfältigkeit könnten sie inzwischen als eigene Kunstform aufgefasst werden. So wetteifern die Teilnehmer des Festivals auch in 6 verschiedenen Sparten um die 2000 Euro Preisgeld. Gemeinsam ist allen Kategorien die völlige Freiheit im Umgang mit Realität(en) und Darstellungsformen. Auch inhaltlich sind keine Grenzen gesetzt. Sei es die moderne Variante des Ikarus oder eine Abhandlung über die Rolle von Brautjungfern – digitale Filme zeichnen sich vor allem durch ihre Effekte aus. Von grell bis düster strömen die Bilder in meist schwindelerregendem Tempo auf den Zuschauer ein und spielen in ästhetischer Weise mit Auflösung und Transformation von Figuren. Ihre Intensität verdanken die Filme nicht zuletzt der präzise zugeschnittenen auditiven Untermalung. So üben selbst die kurzen Beiträge, die eigens für Handy und iPods produziert wurden, einen fast unwiderstehlichen Sog in virtuelle Welten auf den Zuschauer aus.

Die Vermischung der realen und der Cyber-Welt scheint kein utopisches Ziel der Bit-Kunstbewegung zu sein, sie ist nur mehr einen Mausklick von uns entfernt. Und dann heißt es Daumendrücken, um ausgelost zu werden und das digitale Luxusapartment zu gewinnen. Rein technisch steht einer 100 % virtuellen Lebensform nichts mehr im Wege, aber ob Pixel-Champagner wohl ebenso gut schmeckt, wie er aussieht?

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